Donnerstag, 28. Januar 2016

Der Januar: Frauen-Bücher, Stoner, Unschuld

Der Januar soll der klassische Burnout-Monat sein, habe ich irgendwo mal gelesen. Meiner war eigentlich dieses Jahr ganz gut: viel gelesen, Urlaube gebucht, jeden zweiten Tag mit meinen DVDs trainiert (hah!), Salate erfunden und mal zwei Tage gefastet, das heißt genauer gesagt, die 5-2-Diät ausprobiert.

Aber mal der Reihe nach: die Bücher

Viel erwähnt und hoch gelobt: Stoner von John Williams (dtv): Mmh, alles in allem fand ich es sehr sehr traurig. So viel verschwendetes Leben, so vieles hat dieser Mann aus einfachsten Verhältnissen einfach so über sich ergehen lassen. Und diese Edith - seine Frau - liegt immer angeblich krank im Bett rum, er kümmert sich um alles, wirklich alles. Irgendwann erhebt sie sich, entfremdet ihm die geliebte Tochter, zerstört sein Arbeitszimmer, das sein Rückzugsort war, und er erträgt das alles stoisch. Ein paar glückliche Wochen (!) sind ihm mit seiner jungen Geliebten gegönnt, das war's. An der Uni wird er gemobbt, nur weil er integer ist... Schwerer Stoff, aber natürlich gut geschrieben und die Wiederentdeckung wert.

Jonathan Franzen: Unschuld (Rowohlt): Seit den "Korrekturen", die ich übrigens zur Vorbereitung auf den neuen Roman mit großem Vergnügen zum zweiten oder dritten Mal gelesen hatte, bin ich absoluter Franzen-Fan. "Purity" heißt sein neuester Streich auf Englisch, was viel besser passt. Das ist auch der Name der weiblichen Protagonistin, die auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater ist. Eingebettet ist das Ganze in eine komplizierte Geschichte rund um DDR-Geschichte, Mauerfall, Internet-Gurus und vielem mehr. Franzen halt: bunt, geschichtsträchtig, übertrieben, spannend, hysterisch... An die Korrekturen kommt es aber nicht ran, zu konstruiert...

Und warum funktioniert so eine Geschichte hier doch einigermaßen und in den meisten der so genannten "Frauen-Bücher" so gar nicht? Hab' geschmökert, ich geb's zu. Manchmal will man auch was "Leichtes" lesen, in dem man sich vielleicht wieder findet... Drei Beispiele
Cristina Caboni: Die Rosenfrauen (blanvalet): Nicht mehr ganz junge Frau aus eine italienischen Parfüm-Dynastie, die von lauter Frauen aufgebaut wurde, wird schwer vom Leben gebeutelt. Sie erwischt ihren Verlobten mit einer anderen in flagranti, woraufhin sie meint, ihr Leben sei vorbei. Verhältnis zu Mutter ist schlecht, Vater unbekannt. Freundin Monique - elegant, lebenslustig - ist auch mit dem falschen Mann zusammen, den sie unwiderstehlich findet (Ausschnitt: "Mein Gott, wie attraktiv er war! Monique musste sich zwingen, ihn nicht zu berühren. Sie zog das Laken höher, klammerte sich daran fest, als ob es ein Rettungsanker wäre.  (...) Plötzlich aufwallende Hitze durchströmte ihren Körper und ließ sie aufstöhnen"...). O mei, sagt man in Bayern zu sowas. Klar, die Duftsache ist nett, aber kein Klischee wird ausgelassen. Am Ende findet sie natürlich den Traumprinzen und wird schwanger. Ente gut... Das Cover ist passend, vielleicht ist die Übersetzung auch nicht gut???

Courtney Miller Santo: Das Pfirsichhaus (Heyne): Besser viel besser, obwohl es inhaltlich wieder um Ähnliches geht: nicht mehr ganz junge Frau steckt in Lebenskrise, erbt ein Haus und zieht mir ihren Cousinen, mit denen sie von Kindheit an zusammensteckt, dort ein. Es ist renovierungsbedürftig und birgt so manches Familiengeheimnis... Denn - Überraschung - auch Lizzie weiß nicht, wer ihr leiblicher Vater ist... Am Ende: Verlobung, Versöhnung, alles gut. Gut geschrieben, atmosphärisch, das Haus scheint ein Eigenleben zu haben.

Last but not least: Kate Riordan: Im Spiegel ferner Tage (Heyne): London 1932 - die 21-jährige Alice wir ungwollt schwanger und wird auf ein Gut in Gloucestershire geschickt, damit es niemand mitbekommt und die Familienehre nicht gefährdet ist. Dort erfährt sie von dem tragischen Schicksal der ehemaligen Gutsherrin Elizabeth, und sie entdeckt eine große Liebesgeschichte - und einen schlimme Verrat... Ein richtig langer Schmöker für dunkle Winterabende und Englandfans. Alice findet natürlich Tagebücher und fängt an zu recherchieren. Es gibt viele Parallelen zu ihrem Leben. Auch sie ist von der Mutter entfremdet... Schwangerschaftsgefühle und -stimmungen, wabernde Nebel, alter Gemäuer, Dienstboten, alles da, atmosphärischt wieder dicht und spannend.

Montag, 18. Januar 2016

Buchtipp: Danijela Pilics "Sommer vorm Balkan"

Wenn es im Januar draußen bitterkalt ist und so gar nicht hell werden will, muss ich immer ganz schnell Urlaube buchen, damit ich mich freuen kann. Und es wird wohl im Sommer wieder Kroatien werden. Obwohl ich dieses Mal endlich woanders hin wollte. Aber es ist immer noch verhältnismäßig günstig, wir sind mit dem Auto in ein paar Stunden da, und das Meer ist so wunderbar... Wir sind ja kein Sandstrand-Fans, also sind die felsigen Küsten ideal.
"Mein Leben zwischen Alpen und Adria" - so der Untertitel des Buches von Danijela Pilic, kam mir da gerade recht, um mich einzustimmen. Die Bloggerin, Journalistin und Autorin wuchs in Split auf und wanderte 1981 mit ihrer Familie, ihr Vater ist der berühmte Tennisspieler Niki Pilic, nach München aus. Wo sie erst einmal in der Schule völlig isoliert war, da sie kein Wort Deutsch gesprochen hat. Aber da sind wir schon mitten in der Erzählung, die erst einmal mit allerlei Geschichtlichem zum ehemaligen Jugoslawien aufwartet: Helden, Dichter und Politiker, die eine wichtige Rolle spielten, aber auch der typische Wind, Landschaften und Völkergruppen werden liebvoll vorgestellt. Pilic ist gemischt (Serbin/Kroatin), wie so viele andere, was in dem schrecklichen Kriegen in der 90ern, plötzlich zum Problem werden sollte. Die längst in Deutschland Beheimatete musste sich dann plötzlich Fragen stellen, wie denen, ob ihre Eltern sich jetzt scheiden lassen würden.
Ich habe solche Konflikte am eigenen Leib mitbekommen, da in dem Restaurant, in dem ich als Studentin gejobbt habe, plötzlich Serben, Bosnier und Kroaten, die oftmals in Deutschland geboren waren und vorher friedlich miteinander gelebt hatten, ein bisschen den Boden unter den Füßen verloren. Flüchtlinge kamen an und hatten Schreckliches erlebt.
Ich hätte mir ein bisschen mehr Einblick erhofft, worum es in diesen Auseinandersetzungen eigentlich gegangen ist, von einer absoluten "Insiderin", das ist aber auch der einzige Kritikpunkt. Ansonsten ist das Buch unterhaltsam, nett geschrieben - und man freut sich einmal mehr auf die Adria... (Goldmann, € 9,99, Taschenbuch)


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Ein neues Kochbuch, ein veganes Rezept von Jamie-Oliver-Schülerin Anna Jones - a modern way to eat

Diese 360-Seiten schwere Buch besteht aus Äpfeln. Ja, ihr habt richtig gelesen, es wurde als Erstes weltweit aus Apfelresten hergestellt. Die Fotos kommen dadurch nicht so brillant wie in anderen Kochbüchern, macht nix. Anna Jones war eine von Jamie Olivers Auszubildenden im Fifteen London, ist jetzt Food-Stylistin und Autorin, natürlich hat sie auch einen Blog. Jetzt, elf Jahre später, hat sie ihr zweites eigenes Kochbuch veröffentlicht - mit über 200 vegetarischen und veganen Rezepten. Auch für alle, die weniger Fleisch und trotzdem abwechslungsreich essen wollen.

Alles ist gut umzusetzen, die Zutaten meist in guten Biomärkten und Reformhäusern erhältlich. Das Besondere: es gibt zum Beispiel eine Obst- und Gemüse-Saisonal-Liste, Tabellen, in denen aufgelistet wird, was in einen guten Salat passt, so kann man dann selber Variationen erfinden.

Gemüsesorten in Kombination mit Körnern wie Quinoa, Hirse, Buchweizen stehen im Mittelpunkt der Rezepte, die Schritt für Schritt erklärt und ausführlich und persönlich beschrieben werden. Das meiste geht schnell und ist alltaugstauglich, wenn etwas aufwändig ist, wird dies auch erwähnt. Leider gibt es nicht zu jedem Rezept ein Foto, was mich persönlich stört, ich kann mir dann das Gericht nicht so gut vorstellen. Das ist aber auch der einzige Kritikpunkt an diesem Buch. Irgendwie anders und wohltuend ist auch, dass Anna Jones sich nicht wie andere Kolleginnen in den Mittelpunkt stellt, es gibt kein einziges Foto von ihr, das sie ganz zeigt...

Anna Jones: a modern way to eat. Über 200 vegetarische und vegane Rezepte für jeden Tag, mosaic Verlag 2015


Und jetzt das Rezept - ich mochte wie Anna die Farben:



Asia Nudeln mit knackigem Kohl und knusprigem Tofu


Das braucht man (für 2 Personen)
- ca. 200 g kleine Brokkoliröschen (oder ein anderes grünes Gemüse), Stängel geputzt
- 200 g Soba-Nudeln
- 1/4 von einem kleinen Rotkohl, in feine Streifen geschnitten
- 2 EL Reisessig aus Genmai-Vollreis (normaler Essig geht auch)
- 3 EL Ahornsirup oder Agavendicksaft
- Oliven- oder Rapsöl
- 200 g Räuchertofu in 1 cm dicke Stücke geschnitten
- 6 Frühlingszwiebeln in dünne Ringe geschnitten
- 1 EL Sesamsamen
- 1 EL Sojasauce oder Tamari (glutenfreie Variante)
- Saft von 1 Zitrone
- 1 kleine Handvoll geröstete Sesamsamen
- 1 kleines Bund Koriander, grob gehackt

Und so geht's:
- Brokkoli in heißem Salzwasser blanchieren, aus dem Wasser fischen, warm stellen
- im selben Wasser die Nudeln bissfest kochen, mit kaltem Wasser abspülen, warm stellen
- Rotkohl in eine Schüssel geben, eine kräftige Prise Salz, Reisessig, 1 EL Ahornsirup hinzufügen, alles 1 Minute von Hand verkneten, dann beiseite stellen, Achtung schnell Hände waschen...

(ich habe den Kohl angebraten, vertrage abends Rohkost nicht so gut)

- beschichtete Pfanne erhitzen, Öl hineingeben, Tofustücke knusprig anbraten, Sesam dazu, raus aus der Pfanne, warm stellen
- in derselben Pfanne Frühlingszwiebelringe anbraten bis sie weich sind, mit etwas Reisessig, Ahornsirup, Sojasauce und Zitronensaft ablöschen, etwa 30 Sekunden zu einem süßen warmen Dressing eindicken, Nudeln hinzu und verrühren
- alles zusammen servieren und mit geröstetem Sesam und Korianderblättchen bestreuen.

Bon appétit!


Montag, 19. Oktober 2015

Buchrezension: Blaues Blut von Felicitas Gruber


Das ist bereits des dritte Buch des Autorenduos Brigitte Riebe und Gesine Hirsch, die unter dem Pseudonym Felicitas Gruber die Rechtsmedizinerin Sofie Rosenhuth, auch "die kalte Sofie" genannt, erfunden haben. Wie der Titel "Blaues Blut" erahnen lässt, spielt der München-Krimi im Adelsmilieu. Und just dieser smarte Polizeireporter Charly Loessl, der Sophie schon seit dem ersten Fall "Die kalte Sofie" den Hof macht, ist dringend tatverdächtig. Denn erst wird seine Ex-Frau, dann die Frau seines Onkels ermordet. An beiden Tatorten werden persönliche Gegenstände aus seinem Besitz gefunden...
Er flüchtet sich in Sofies Wohnung in Giesing, was ihrer neuen alten Flamme, dem Kriminal-Kommissar Joe Lederer gar nicht gefallen würde - wenn er's denn wüsste...



Es macht mal wieder großen Spaß in diesen glühendheißen Münchner Sommer einzutauchen. Sofie Rosenhuth ist ganz und gar nicht kalt, kämpft immer gegen ein paar überflüssige Pfunde und radelt mit ihrem schlechten Gewissen durch die Isarauen. Weiteres unverzichtbares personelles Inventar sind ihre Tante Vroni, die sie nach dem Tod ihrer Eltern aufgezogen hat, der Mops Murmel, die immer gut gestylte aber einsame Kollegin Elke Falk und - in kennen wir aus dem ersten Buch - Sofies Berliner Ex-Geliebte Erik Sander aus Berlin, der ganz "zufällig" in der Rechtsmedizin aushilft.
Dazu kommen noch neu einige interessante Charaktere aus der Adelsfamilie Loessl dazu: eine schrullige Tante, die mit zwei Katzen und einem "Mann für wirklich alles" in einer Villa mit Garten wohnt, ein anderer Onkel, der mit einer jungen Ehefrau lebt... Und wo steckt eigentlich der zweite Bruder? Ein Abenteurer, der in die Welt geflüchtet ist?
Der dritte Band ist besser geschrieben als der erste und die Geschichte ist spannend. Wie immer macht auch das sonnige München, vor alle der Stadtteil Giesing mit seinen Milieustudien gute Laune, und man freut sich auf weitere Werk der beiden. Brigitte Riebe begeistert übrigens auch als Verfasserin historischer Romane ihr Publikum, und Gesine Hirsch entwickelte die Erfolgsserie "Dahoam is Dahoam" des Bayerischen Rundfunks mit.

Felicitas Gruber: Blaues Blut. Ein Fall für die Kalte Sofie, 304 Seiten, Diana Verlag, ISBN 978-3453358508

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Neues Kochbuch: Französisch kochen mit Aurélie, Scholle Müllerinnen Art

Am 5. Oktober ist Aurélie Bastians neues Kochbuch bei Bassermann Inspiration erschienen. Für die in Deutschland lebende Französin, die der Liebe wegen bei uns gelandet ist, auch einen überaus erfolgreichen Blog betreibt und beim MDR ihre eigene Kochshow hat, ist Essen und die französische Küche Bestandteil ihrer Identität. Im neuen Buch versammelt sie neben ihren Lieblingsrezepten auch Klassiker der französischen Landküche, dabei achtet sie darauf, dass alle Zutaten auch in Deutschland erhältlich sind.





Aus dem Rezeptteil: Rillettes de canard (Entenfleisch in Schmalz) - Terrine de courgette (Ziegenkäse -Terrine mit Feige, Nuss und Zucchini) - Soupe à l’oignon (Zwiebelsuppe) - Gougères aux épinards (Spinatwindbeutel) - Quiche lorraine (Lothringer Speckkuchen) - Poulet aux pommes et au cidre (Apfel-Hähnchen mit Cidre) - Moules à la marinière (Muscheln in Weisswein) - Soupe au pistou (Provenzalische Gemüsesuppe mit Basilikumcreme) - Fondant au chocolat (Schokoladenkuchen) - Poire au vin (Birne in Rotwein) …

Das Buch unterscheidet sich wohltuend von den trendigen Vegan-, Gesund- und Wenn-dann-unbedingt-Vegetarisch-Kochbüchern, die uns zurzeit überschwemmen. Bodenständige unprätentiöse Rezepte, unterteilt in die Kapitel Vorspeisen, Kleine Speisen, Geflügel-/Fleisch-/Fisch- und Gemüsegerichte (wobei diese ehr als Beilagen fungieren) und Nachtisch. Ergänzt wird das Ganze durch "Tipps, Tricks & Infos", die Kochanfängern sicher nützlich sein werden. Fragen wie "Was mache ich, wenn die Sauce zu dünnflüssig ist? oder "In Butter braten, geht das denn?" werden sich sicherlich weniger erfahrene Hobby-Köche stellen.

Die Rezepte sind Schritt für Schritt gut erklärt und schön, aber nicht außergewöhnlich, bebildert. Wer kaum oder noch gar nicht französisch gekocht hat, kann hier einen guten Einstieg finden. Für Gesundheitsapostel und Veganer ist es, wie gesagt gar nichts...

Ich habe eine Rezept ausprobiert - mit viel Butter natürlich:

Sole meunière - Scholle Müllerinnen Art

 Dazu braucht man (für 2 Personen):

- 2 Schollenfilets
- 4 EL Mehl
- 80 g Butter
- Zitronensaft

Für die Petersiliensauce: 

- 1 Bund Petersilie
- 50 g Butter
- 1 EL Olivenöl
- 1-2 TL Zitronensaft
- Salz und Pfeffer



Und so geht's:

- Die Schollenfilets trocken tupfen und beidseitig mit Mehl bestäuben. Die Butter in einer Pfanne erhitzen und die Filets zuerst 3 Minuten auf der Hautseite, dann 3 Minuten auf der anderen Seite braten. Fleißig die heiße Butter mit einem Löffel auf die Filets gießen, am Ende salzen und pfeffern.

- Für die Sauce die Petersilienblättchen abzupfen. Die Butter in einem Topf erhitzen, bis sie braun wird, Petersilie, Olivenöl und Zitronensaft dazu geben und pürieren, bis eine schöne Creme entsteht. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

- Die Petersiliensauce mit einem Pinsel auf den Tellern verstreichen (dressieren) und die Filets darauf platzieren, diese noch mit etwas Zitronensaft beträufeln und die braune Butter aus der Fischpfanne darübergießen.

Als Beilage empfiehlt Aurélie saftige `: Den oberen Teil der Tomate abschneiden, mit Paniermehl, Petersilie und Salz bestreuen und 8 Minuten bei 180 Grad im Ofen überbacken... (sehr lecker und simpel übrigens)

Weitere Informationen zur Autorin unter www.aureliebastian.de und www.franzoesischkochen.de.

Montag, 5. Oktober 2015

Glückliche Tiere - und Menschen: ein Besuch auf Gut Sonnenhausen und in den Hermannsdorfer Landwerkstätten

Schon die Einladungskarte war der Knaller: es gab zwei Ankreuzmöglichkeiten 1. Oh ja, ich nehme die Einladung gerne an und 2. Sorry, ich habe ein Abendessen mit Angela Merkel, schaff's leider nicht... Da ich kein Abendessen mit der Kanzlerin hatte, bin ich gerne zum Gut Sonnenhausen, 30 Kilometer südöstlich von München gelegen, gefahren. Anlass für die Feier vergangenen Montag was das Erscheinen des zweiten Sonnenhausen-Journals, die Vorstellung der neuen Kultursaison durch Kuratorin und Sängerin Stefanie Boltz. und die Vorstellung des Kochstalls, der am 23.10. offiziell eröffnet werden wird.








In dem zertifizierten Bio-Hotel kann man ansonsten tagen und am Wochenende Feste feiern. Erworben hat es in den 80ern Ökopionier Karl Ludwig Schweisfurth, Vater des jetzigen Hausherrn Georg Schweisfurth. Metzgerssohn Karl Ludwig war zunächst Praktikant in den großen Schlachthöfen in den USA, seine Erfahrungen setzte er in der Industrialisierung der heimischen Fleischverarbeitung um. Aus einem kleinen Familienbetrieb heraus schuf er das größte fleischverarbeitende Unternehmen Europas: Herta (heute zum Nestlé-Konzern gehörend). 25.000 Schweine und 5.000 Rinder wurden damals wöchentlich verarbeitet.
1984 verkaufte er den Betrieb an den Nestlé-Konzern und begann von Gut Sonnenhausen aus, auf dem Gut Herrmannsdorf bei Glonn, Schweine nach den Grundsätzen der ökologischen Landwirtschaft zu halten und zu züchten. Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: „Mir war schlagartig klar, dass Fleisch von derart gequälten Tieren keine lebensfördernde Nahrung für uns Menschen sein kann.“
Die daraus entstandenen Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit Stallungen, Hofladen, Biergarten und Gasthof gelten heute als Pionierbetrieb der natürlichen, artgerechten und nachhaltigen Lebensmittelherstellung im großen Maßstab, sie verbinden einen voll-biologischen Betrieb  mit dem Ziel der Wirtschaftlichkeit und ideellem/künstlerischem Anspruch (zahlreiche Kunstwerke im und um den Hof, regelmäßige Hofmärkte mit künstlerischem Begleitprogramm). 2008 wurden die Herrmannsdorfer Landwerkstätten mit dem Bio-Handelspreis, einer „Selly“ ausgezeichnet. Der Betrieb wird mittlerweile von seinem Sohn Karl Schweisfurth geleitet, Karls Zwillingsbruder Georg gehört zu den Gründern der Basic AG.


Es war ein schöner, stimmungsvoller Abend mit einem herzlichen Gastgeber. Zusammen mit Hotelchefin Maren Reisser stellte Georg Schweisfurth das neue Journal vor, Stefanie Boltz gab zusammen mit ihrem Duopartner Sven Faller von Le Bang Bang am Bass und dem Gitarristen Andreas Dombert ein kleines Live-Konzert. Als Kuratorin des Kulturprogramms stellte sie die neuen Highlights vor.


Eine besondere Überraschung gab's zum Schluss: der neue Kochstall wurde vorgestellt undauch gleich mit einem Showkochen eingeweiht. Meine Bilder zeigen die Variation vom Ochsenschwanz. Mmh, war lecker...




Am nächsten Tag besuchte ich dann natürlich noch die glücklichen Schweinchen in Hermannsdorf, allerliebst. Die Produkte der Herrmannsdorfer Landwerkstätten gibt es übrigens auch in Geschäften in München und Biomärkten in Süddeutschland. Wohl bekomm's...






Montag, 24. August 2015

Literarische Rezepte, Teil 1: Heinz von Wilks Chiemsee-Krimis - Tagliatelle mit Steinpilzen

Der im Chiemgau lebende Autor Heinz von Wilk hat schon einiges gemacht in seinem Leben: er war Berufsmusiker, Immobilienmakler in Spanien und führte erfolgreich eine Künstleragentur. 2011 - zurück in seiner Heimat - schrieb er sein erstes Buch "Chiemsee-Jazz", außerdem einen Band mit Kurzgeschichten. Auf Chiemsse-Jazz folgten "Chiemsee-Cowboys" und "Chiemsee-Verschwörung". In den "Stocker-Krimis" geht es um einen, ja, wie soll man sagen, etwas lädierten Helden, der nach abenteuerlichen Jahren in Spanien eine Kneipe namens "Endstation" am Chiemsee eröffnet. Jeden Mittwoch wird gejammt, immer mit von der Partie sind die Bedienung Nellie, die nie ein Blatt vor den Mund nimmt und schon am späten Vormittag mit Gin Tonics anfängt, und Zeno, ein ehemaliger Kriminaler, der sich kreative Rezepte ausdenkt und auch nur seine Ruhe haben will.

Aber natürlich kommt es anders, und sie werden immer wieder in mysteriöse Fälle mit hinein gezogen. Dabei spielt ein Kommissar namens Zuckerhahn, der dem verstorbenen Schauspieler Walter Sedlmayr auf's Haar gleicht, eine wichtige Rolle. In Band 2 tritt übrigens Dackel Josef zum ersten Mal auf und wird ein wichtiges Mitglied des Teams.

Das Ganze ist sehr amüsant geschrieben, oft ganz und gar nicht politisch korrekt und mit viel Lokalkolorit versehen. Ich mag die eingestreuten Rezepte sehr, und das schmeckt auch alles... Das folgende Rezept stammt aus dem dritten Band "Chiemsee-Verschwörung".

Tagliatelle mit Steinpilzen (für 4 P.)


 


Und das braucht man:

400 g frische Steinpilze, gesäubert und in nicht zu dünne Scheiben geschnitten
1 kleine Zwiebel und 2 Knoblauchzehen, klein geschnitten
1 Bund Petersilie, klein gehackt
300 g Tagliatelle (bei mit auf dem Foto ist es die dünnere Version Tagliolini), bissfest gekocht
etwas Zitronensaft, Butter zum anbraten, Weißwein, Pilzfond und Sahne

Und so geht's (so frei Schnauze wie im Buch):

Knoblauch und Zwiebel in Butter anschwitzen, die Pilze dazu geben und mit anschwitzen, ein paar Minuten. Mit einem kräftigen Schluck Weißwein ablöschen, mit etwas Pilzfond und Sahne auffüllen und 5 Minuten köcheln lassen. Die Hälfte der Petersilie und einen Spritzer Zitrone unterrühren.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken, die Nudeln unterhebenund servieren, restliche Petersilie darüber streuen.

Bon appétit!